Traumwelten: Der Traum während der Apokalypse


09 Aug
09Aug

Die Strassen waren verdunkelt. Überall lagen Plastiktüten und anderer Abfall herum. Ein Wind fegte durch die Gassen, der mir unbekannten Stadt. Wo befand ich mich? Ich war alleine. Ich sah niemanden weit und breit. Die Strassen waren komplett leer. So wie in einem Film, in dem es darum geht, dass die Welt durch eine Katastrophe leer gefegt wurde. Die Menschheit wegen irgendetwas ausgerottet wurde. Ich sah mich um. Obwohl es dunkel war, sah ich recht gut und klar. Ich hatte nicht kalt, es war sogar angenehm warm. Ich lief durch die Gassen und sah mich immer wieder aufmerksam um. Wo sind denn all die Menschen? Ich sah leere Gebäude und leere Autos auf den Strassen. Alles war verlottert, verrostet und dreckig. Je länger ich auf den Strassen lief, umso sauberer wurden sie zu meiner Überraschung. Eigenartig, hat hier jemand die Strassen gereinigt? Ich sah mich um, doch ich sah niemanden. Als ich an einem Hochhaus vorbeilief, sah ich in die Schaufenster. Ich war erstaunt, dass ich darin Zimmer sah. Grosse, geräumige Räume mit einem Doppelbett und einem kleinen Bad. Ich konnte alles erkennen. Die Betten waren ungemacht und auf den Böden lagen Kleider und Abfall. So, als wären die Bewohner in aller Eile aufgebrochen. Ich sah in jedes Fenster rein, betrachtete die Zimmer. Wie in einem Hotel. Aber warum so ausgestellt? Als ich weiterging, waren die Strassen auf einmal blitzsauber. Ich betrat ein grosses Gebäude und begab mich in die oberen Stockwerke. Ich wollte mir mal so ein Zimmer ansehen. Ich hatte bemerkt, dass es draussen immer kühler wurde. Ich musste mich aufwärmen und etwas suchen, in dem ich über Nacht bleiben konnte. Oder war es schon Morgen? Ich hatte kein Zeitgefühl mehr. 

Ich sah mich in dem Zimmer um. Alle Kleider waren am Boden verstreut. Die Bettdecke zerwühlt und aufgeschlagen, so, als wäre der Bettbewohner nur kurz aufgestanden, um bald wieder unter die warme Decke zu kriechen. Ich sah aus dem Fenster. Mittlerweile hat es geschneit. Die Ruinen der Hochhäuser und der Häuser drum herum waren mit einer dicken Schneedecke bedeckt. Kein Geräusch, kein Licht. Alles stand im Dunkeln. Fasziniert betrachtete ich die Umgebung, als ich ein Geräusch hinter mir an der Türe vernahm. Ich drehte mich um, und sah eine Frau mittleren Alters. Sie sah mich an und sagte: „Ah, dachte ich mir doch, das ich nicht alleine hier bin.“ Sanft schaute sie mich an. „Sind sie alleine hier?“, fragte ich sie. „Ja, meine Liebe, bin ich. Hättest du mir was Warmes zum Anziehen? Draussen hat es geschneit und ich wusste noch von früher, dass hier ein junger Mann gewohnt hatte, der reich war und sich ständig neue Kleider gekauft hatte.“ Ich ging zum Schrank und wühlte darin herum. Ich nahm einige, genau identische, warm mit Lammfell gefütterte Jacken und Mäntel hervor und warf sie auf das Bett. „Hier, nehmen Sie sich, was Sie wollen. Es hat genug.“ Sie sah sich die Jacken und Mäntel an und während sie sich noch am Entscheiden war, hörte ich ein Ächzen aus dem kleinen Bad gleich neben dem Bett. Da es dunkel war, war mir gar nicht aufgefallen, dass da ein kleines Bad war. Ich lugte hinein und sah unter einem riesigen Kleiderberg jemanden sitzen. Zuerst erschrak ich fürchterlich. „Du meine Güte, kommen Sie mal her!“. Ich winkte die andere Frau zu mir. Beide sahen wir in das kleine Bad und konnten im Dämmerlicht einen jungen Mann erkennen, der ausgemergelt und schon nahe dem Tod auf der Kloschüssel sass. Ich gab ihm vorsichtig einige Cracker zum Essen, damit er einigermassen zu Kräften kam. Er dankte mir knabbernd und richtete sich dann auf. Er stellte sich als den Besitzer des Zimmers vor. Nachdem wir uns alle warm eingepackt hatten, verliessen wir das Gebäude. Wir wussten, dass wir uns nach etwas umsehen mussten, was sicherer war. Wir bemerkten, dass im Gebäude irgendwo irgendwelche Leute herumschlichen. Wir sahen dann ein altes Gebäude, dessen Wände, Fenster und Dach noch intakt war. Vorsichtig gingen wir hinein. Das Treppenhaus war noch stabil und sicher. Das Geländer war voller Rost. Die Tapeten an den Wänden blätterten ab. Kein Licht brannte. Die Treppe windete sich leicht steil nach oben. Zu dritt liefen wir lautlos die Treppen hoch in den dritten Stock. Wir öffneten die Tür und befanden uns in einer Wohnung, die noch alles enthielt. Möbel, Teppiche und sogar Pflanzen. Es war warm und alles war dicht. Aus Angst entdeckt zu werden, vermieden wir es, ein Feuer anzuzünden. Wir hüllten uns in dicke Decken, da kein Bett vorhanden war, und legten uns auf den Boden auf die weichen Teppiche. 

Als ich erwachte, war es noch Nacht. Es dämmerte bereits draussen. Ich beschloss, joggen zu gehen um die Umgebung zu begutachten. Das Haus stand auf einem kleinen Hügel. Ich lief drum herum nach hinten und den Hügel die Wiese herunter. Auf der anderen Seite konnte ich eine Treppe erkennen, die im Zickzack nach oben auf einen anderen Hügel führte. Überall standen grosse Bäume und die Wiese war ungepflegt und doch wunderschön. Die Stille und Ruhe erfüllte mich. Die Luft klar und eisig. Kleine Luftwölkchen bildeten sich vor meinem Mund bei jedem Atemzug, den ich ausstiess. Bei der Treppe angelangt, sah ich einige Leute am Boden sitzen. Sie begrüssten mich freundlich und redeten miteinander weiter. Ich lief die Treppen hoch. Oben angekommen bemerkte ich, dass da auch ein Park existiert. Ich sah, dass auch hier einige Menschen sich in dem Park aufhielten. Flanierten, so als würde die Stadt, die nur noch eine Ruine ist, nicht vorhanden sein. Ich dehnte mich und streckte mich. Machte ein paar Lockerungsübungen und joggte wieder zur Treppe. Doch diesmal war die ganze Treppe bis zum Boden übersäht mit Spinnweben voll mit Spinnen. Ich weiss nun mittlerweile, dass das bedeutet, dass ich mich spirituell weiterentwickle. Netze stehen für das Weben des Lebens. Spinnen für die geistige Weiterentwicklung. Ich bemühte mich, nichts kabutt zu machen und stieg über die Netze. Treppentritt um Treppentritt wieder hinunter. Als ich zum Hochhaus lief, sah ich, dass die anderen sich vor der Haustüre versammelt hatten. Sie hielten Teetassen in den Händen und liessen sich die Sonne auf die Nase scheinen. Ich gesellte mich zu Ihnen und bekam eine Tasse in die Hände gedrückt. Schweigend standen wir da, genossen unsere Getränke und die Sonne, die auf uns herabschien. Wir fühlten uns sicher. Hier konnten wir uns gegenseitig beschützen. Der Tag hatte erst begonnen, die Nacht noch weit entfernt.

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