Traumwelten: Ein Haus mit Erinnerungen


29 Jan
29Jan

Ich war wieder einmal unterwegs. In einem Auto, das mir zwar nicht gehörte, aber ich hätte es gerne. Ein Audi RS 8, Farbe dunkelsilber. Kräftig und dröhnend fuhr ich durch die Stadt. Welche Stadt war es? Mir schien, es war Zürich. Doch ich bemerkte es gar nicht richtig. Hauptsache, ich war in diesem Auto unterwegs und konnte fahren. Kurven. Den Hügel hoch, den Hügel hinunter. Ich war glücklich. Ich war in diesem Auto. Auch wenn nur ausgeliehen. Ich fuhr einen Hügel hinunter und merkte, dass ich auf dieser Strasse nicht aus der Stadt kommen würde. Unter mir der Zürichsee. Glitzernd in der Abenddämmerung. Oder war es noch am Nachmittag? Ich wusste es nicht. Ich sah am See unten ein kleines Dorf und überlegte mir, wo ich wenden könnte. Oder soll ich einfach bis zu diesem Dorf fahren und dort übernachten? Während ich noch überlegte, sah ich zwei Männer, die aus einer Seitenstrasse auf diese Einbahnstrasse kamen. Sie trugen Taschen bei sich und redeten rege miteinander. Ich fuhr langsam an ihnen vorbei und schaute aufmerksam, aus welchem Gebäude diese zwei herausgekommen waren.


Ich sah ein grosses, altes, schmuckes Hochhaus, das ein Hotel war. Am Eingang stand der Name: Nickelodeon. Ich schmunzelte, das war ja der Name eines Kindersenders. Wie die wohl auf diesen Namen kamen? Ich parkte das Auto und sah mir das Gebäude aus dem Auto an. Es war alt. Mit sehr vielen Stuckaturen an den Wänden. Mit eisernen Balkonen, die auseinander zu brechen drohten. Das Gebäude unzählige Stockwerke hoch. Ich liebe solche alten Gebäude. Sie verbergen mehr, als man sieht. Ich beschloss auszusteigen und mal reinzugehen. Als ich ausstieg, kam einer aus dem Hotel und begrüsste mich. Er musste mich wohl verwechseln, weil er mich mit einem Namen ansprach, der nicht meiner war. Ich verstand ihn nicht. Er meinte nur, dass er froh sei, dass ich da war und mit ihm reingehen soll. Ich packte meine Tasche und ging mit ihm mit. Das Auto liess ich stehen. Er besprach mit mir den Arbeitsvertrag und wollte mir einen lächerlichen Lohn anbieten für ein 100 Prozent Job. Ich teilte ihm mit, dass ich in der Tätigkeit, die ich jetzt verrichte, fast das Dreifache verdiene. Er schluckte und meinte nur, dass er mir zuerst das Hotel zeigen würde. Den Lohn könnten wir ja noch besprechen.


Ich ging mit ihm mit. Wir traten aus einer Türe in den Garten, der sich hinter dem Haus befand. Ein riesiger Park tat sich vor mir auf. Ich sah uralte Bäume und eine Ruine, die inmitten des Gartens stand. Mir wurde bewusst, dass das Hotel am Hang gebaut war. Hinter der Ruine ging es den Hang hinunter. Das Hotel wurde also an eine Ruine angebaut. Ich betrachtete diese und fragte mich, ob man da hineingehen konnte. Mittlerweile gesellten sich noch zwei Angestellte des Hotels zu uns und begleiteten uns auf der Besichtigungstour. Der, der mich empfangen hatte, war ein älterer Mann. Die anderen beiden waren eine junge Frau, die aussah wie ein Mann, und ein junger Mann. Ich schätzte beide so kurz vor 20.


Wir traten ein. Eine alte Türe, die schon fast aus den Angeln sprang. Vorsichtig öffnete ich sie und erschrak zutiefst - ich kannte diese Ruine! Ich war schon mal hier. Doch damals stand die Ruine alleine am Hang und war kurz davor abgebrannt. Rauchschwaden sah man noch und es roch nach verbranntem Holz. Ich erinnerte mich bedrückt an die Kinder, die damals im Brand verstarben. Eine grosse Traurigkeit überfiel mich. Doch ich konnte nicht weinen. Ich nahm meinen Mut zusammen und trat ein. Die Balken und der Boden waren hell. Man sah, dass es mal gebrannt hatte. Doch mit der Zeit verblasste der Russ. Vorsichtig lief ich über den Boden und sah, dass ein grosser Teil ersetzt worden war, damit das Gebäude begehbar wurde. Ich lief durch das Haus und dachte an die Kinder. Auf einmal sah ich sie alle. Als ich damals durch das frisch verbrannte Gebäude lief, hörte ich sie, wie sie mir vorwarfen, dass ich nicht zugegen war, um ihnen zu helfen. Und ich könne mich nicht mehr an sie erinnern. Das war lange her. Doch nun wusste ich alles wieder. Sah die Kinder, ein Mädchen mit Zöpfen. Ein Junge, der lachend eine Treppe hochstieg. Mein Herzchakra schmerzte und ich streckte dem Mädchen die Arme entgegen. Sie kam auf mich zu und umarmte mich. „Schön, dass du endlich hier bist! Wir haben dich vermisst.“, sagte sie zu mir. Ich sah ihr schönes Gesicht, in ihre funkelnden Augen, strich ihr über die zarte Haut und schloss sie in meine Arme. Ich war glücklich. Die Kinder konnten nun endlich gehen. Ich strahlte von innen nach aussen und füllte die Räume mit Licht.

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